VANILLE- BLOG, 19.03.2023
Xocolātl
KULTURELLE BEDEUTUNG FÜR DIE AZTEKEN
Der spanische Mönch und Ethnologe Fray Bernardino de Sahagún lebte im 16. Jahrhundert in Mexiko und beschrieb als Erster das Leben und die Kultur der Azteken in seinem Werk "General History of the Things of New Spain", bekannt als "Florentine Codex". Sahagúns Aufzeichnungen sind die bedeutendsten historischen Quellen, die uns den Lebensalltag der Azteken näherbringen.
Für die Kultur der Azteken hatte Vanille eine besondere Bedeutung und war in vielen Aspekten ihres Lebens integriert. Die Azteken nannten sie "tlilxochitl", was so viel bedeutet wie "schwarze Blume". Vermutlich übernahmen die Azteken den Anbau der Vanille von den Totonaken, einem Volk aus dem heutigen mexikanischen Bundesstaat Veracruz. Die Totonaken waren bekannt für den Anbau von Vanille und mussten die schwarze Blume als Tribut an die Azteken entrichten. Diese war sehr begehrt und anfänglich nur aus wenigen Quellen zu beziehen. Somit wurde das Gewürz als eine Art Steuer von indigenen Bevölkerungsgruppen eingetrieben. Die Azteken verwendeten die Vanille als Zahlungsmittel, Medizin, Nahrungsmittel und für Rituale.
Besondere Bedeutung hatte die Vanille in Verbindung mit "xocolātl" (bitteres Wasser), dem ursprünglichsten Kakaogemisch der Menschheit. Dieser fand besondere Anwendung in religiösen Ritualen. Eine Erzählung besagt, dass der letzte aztekische Herrscher Montezuma an die 50 Tassen Kakao am Tag getrunken haben soll. Fest steht, dass Kakao bei den Azteken hoch geschätzt wurde und Teil ihrer religiösen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Praktiken war. Es ist auch bekannt, dass Montezuma großen Wert auf den Konsum von Kakao legte und es oft als Geschenk an andere Herrscher und Adlige verschenkte.
Aus Sahagúns Schriften geht der exakte Herstellungsprozess des aztekischen Kakaos hervor. Dabei wurden die Kakobohnen zunächst fein gemahlen und anschließend mit Wasser und Gewürzen, wie Vanille, Zimt und Anis vermischt.
Für das unverwechselbare Aroma wurden die Kakaobohnen auf eigens dafür vorgesehenen Steinplatten geröstet. Danach wurden die gerösteten Kakaobohnen mit Steinmörsern zerkleinert. Die daraus entstandene feine Paste wurde anschließend in Wasser gelöst und in Krügen aufgeschäumt, um ein schaumiges Mischgetränk zu erhalten. Dafür wurden spezielle Krüge verwendet, um eine dickere Konsistenz zu erreichen. Um den Geschmack zu verfeinern wurden mit Vanille, Zimt und Anis intensive Gewürze hinzugegeben.