VANILLE- BLOG, 29.09.2022
Die Gewürzinseln , 1822
Die Vanille hält Einzug in Europas Kolonien
Der französische Kapitän Pierre-Henri Philibert wurde im Januar 1777 in St. Denis auf der Insel La Reunion geboren.
Als junger Mann begann er seine Karriere in der französischen Kriegsmarine. Im Oktober 1813 lief Philibert, bereits Kapitän zur See, mit seiner Achtzehnpfünder-Fregatte ETOILE aus, um im Atlantik und vor der westafrikanischen Küste Kreuzerkrieg gegen die Briten zu führen. Am 27. März 1814 unterlag Kapitän Philibert der englischen Fregatte HEBRUS im Zweikampf und musste sich in Kriegsgefangenschaft begeben. Seine Gefangenschaft dauerte nicht lange. Napoleon Bonaparte verlor die Schlacht bei Waterloo gegen die alliierten Streitkräfte der Engländer und Preußen am 18. Juni 1815. Damit brach das Französische Kaiserreich endgültig zusammen und wurde durch den zweiten Vertrag von Paris in die Grenzen von 1790 zurückgedrängt.
Bekannt wurde Philibert durch seine Expeditionen mit den Schiffen RHONE und DURANCE. Am 01. Januar 1819 verließ er den Hafen auf der Ile d´Aix, einer westlich vorgelagerten Insel des französischen Festlandes. Zusammen mit dem Naturkundler George Samuel Perottet bereiste er Südostasien, Afrika und Südamerika und sammelte zahlreiche Nutzpflanzen, darunter Vanilla planifolia. Nach dem Fall des Monopols der Spanier gelangten die ersten Vanillepflanzen nach Paris, in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens in Antwerpen sowie nach England.
Im September 1820 kam Philibert nach Rochefort zurück und hatte mit der Gründung zahlreicher Häfen den Meilenstein für den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts gelegt. König Ludwig XVIII. ernannte Philibert für seine herausragenden Dienste zum Beauftragten für die Kolonien Frankreichs. Der Kapitän Pierre-Henri Philibert, welcher später im Jahre 1824 verstarb, reiht sich in die Liste der bedeutenden Personen, die eine industrielle Kultivierung der Vanille ermöglichten, ein.
Fortan wurde versucht die Kultur der Vanille auf Reunion zu etablieren. Vermutlich aufgrund mangelnder Kenntnisse scheiterten die Versuche bis zum dritten Anlauf im Jahre 1822. Es handelte sich um Stecklinge von Pflanzen aus den Gewächshäusern des Jardin des Plantes in Paris. Diesmal war nicht nur das Anwachsen der Pflanzenteile erfolgreich, sondern es gelang den Farmern erstmals die Vanillepflanze über mehrere Jahre zu kultivieren. So fand die Vanille auch ihren Weg auf die Plantage „Belle-vue“, nahe der Stadt St. Suzanne auf Reunion. Der Eigentümer war der Franzose Fereol Bellier Beaumont.
Fast Zeitgleich (1819) gelangte die Vanille auf die niederländische Kolonie Java.
Nachdem Java in den letzten Jahrzehnten von der Ostindischen Handelscompanie VOC geprägt war und nach den Kriegen mit England wieder in Besitz der Niederländer war.
Das Wettrennen der Kolonialmächte um die Marktführung des kostbaren Gewürzes hatte begonnen.